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Unsere liebsten Briefromane

In Zeiten von E-Mail, Twitter, Facebook und Co. scheint der handgeschriebene Brief kurz vor dem Aussterben zu stehen. Einen Brief verbinde ich mittlerweile nur noch mit Rechnungen, Mahnungen und Werbung. Schade eigentlich, denn das handgeschriebene Wort hat einmalige Qualitäten. So kann man, was einmal auf Papier ist, eigentlich nicht mehr zurücknehmen. Klar, zerknittern und wegschmeißen geht immer, aber die einzelnen Entscheidungen, was man wie wann schreibt, bedürfen einer Überlegtheit, die mir durch „löschen“ und „Entf“ fast abhandengekommen ist. Auch kann man einen Brief nur an eine Person schicken. Er ist einmalig und nur für dich bestimmt.

Über die letzten Jahrzehnte hat die Literatur einige gute Briefromane hervorgebracht. Manche handeln noch klassisch von Briefen auf Papier wie 84 Charing Cross Road, andere interpretieren den Briefroman neu wie der E-Mail-Roman von Daniel Glattauer. Aber allen guten Briefromanen wohnt eine unnachahmliche Spannung inne, der sich aus dem Mut erwächst, Gefühle auf Papier zu bringen und sie in die Welt zu schicken, ohne dass man sie je wieder zurücknehmen kann. Sagen kann man viel, wenn der Tag lang ist, aber aufschreiben und abschicken verleiht den Gedanken eine besondere Finalität und Kraft. Das gefällt mir wahnsinnig gut und entwickelt einen tollen Sog. Diese fünf Briefromane können wir euch wärmstens empfehlen – bestimmt ist auch was für euch dabei.

Helene Hanff, 84 Charing Cross Road

Helene Hanff, 84 Charing Cross RoadDurch Zufall stößt die amerikanische Bühnenschriftstellerin Helene Hanff Ende der vierziger
Jahre auf die Adresse eines kleinen Antiquariats in London. Eine neue Quelle für schwer aufzutreibende Bücher? Die Autorin greift zum Stift, ohne zu ahnen, dass diese ersten Zeilen der Beginn einer jahrzehntelangen Brieffreundschaft sind. Ein Schatz für alle, die Bücher lieben.

 

 

 

Mary Ann Shaffer, Deine Juliet

Mary Ann Shaffer, Deine Juliet

London in den späten vierziger Jahren: Die temperamentvolle junge Schriftstellerin Juliet erhält eines Tages einen erstaunlichen Brief. Absender ist Dawsey Adams, ein Bauer von der Kanalinsel Guernsey. Er hat antiquarisch ein Buch erworben, das zuvor ihr gehörte. Zwischen der Literatin und dem Bauern entspinnt sich ein Briefwechsel, durch den Juliet von einem literarischen Club erfährt, den die Inselbewohner gründeten, um sich über die schwere Kriegszeit hinwegzuhelfen: der «Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf». Juliet wird neugierig. Sie beschließt, auf die Insel zu reisen. Dort stößt sie auf die Geschichte von Elizabeth und deren großer Liebe zu einem deutschen Offizier. Und sie lernt Dawsey kennen …

Daniel Glattauer, Gut gegen Nordwind

Daniel Glattauer, Gut gegen Nordwind

Gibt es in einer vom Alltag besetzten Wirklichkeit einen besser geschützten Raum für gelebte Sehnsüchte als den virtuellen? Bei Leo Leike landen irrtümlich E-Mails einer ihm unbekannten Emmi Rothner. Aus Höflichkeit antwortet er ihr. Und weil sich Emmi von ihm angezogen fühlt, schreibt sie zurück. Bald scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann es zum ersten persönlichen Treffen kommt, aber diese Frage wühlt beide so sehr auf, dass sie die Antwort lieber noch eine Weile hinauszögern. Außerdem ist Emmi glücklich verheiratet. Und Leo verdaut gerade eine gescheiterte Beziehung. Und überhaupt: Werden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und was, wenn ja?

Jessica Brockmole, Eine Liebe über dem Meer

Brockmole, eine Liebe über dem MEerIsle of Skye, 1912. Eines Tages erhält die schottische Schriftstellerin Elspeth einen Brief aus Amerika. Der Absender, ein junger Mann namens David, bewundert ihre Gedichte. Obwohl ein Ozean zwischen ihnen liegt, ist es der Beginn einer tiefen Liebe. Erst die Wirren des Weltkrieges führen die beiden zusammen, nur um sie unter tragischen Umständen wieder zu trennen. Mehr als zwei Jahrzehnte später stößt Elspeths Tochter Margaret auf Davids Briefe und kommt so der Geschichte dieser schicksalhaften Liebe auf die Spur …

 

Sophie von La Roche, Geschichte des Fräuleins von Sternheim

Sophie von La Roche, Geschichte des Fräuleins von Sternheim

 

»Kein Buch, sondern eine Menschenseele« sahen die Zeitgenossen in der ›Geschichte des Fräuleins von Sternheim‹, als das Buch 1771 erstmals erschien. Ihr Romandebüt machte die Verfasserin, die von da an als »die Sternheim« galt, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zur berühmtesten Schriftstellerin Deutschlands. In ihrem Hauptwerk versucht die unerfahrene, elternlose Titelheldin Sophie, sich dem ihr zugedachten Mätressenschicksal zu entziehen und flieht zu Lord Derby, einem gewissenlosen Intriganten und Verführer, dessen Absichten sie verkennt.

Die Ereignisse überstürzen sich, und Sophies Gutgläubigkeit kostet sie beinahe das Leben. Erst nach vielen Prüfungen wird sie – ganz im Sinne der Empfindsamkeit – mit dem ehelichen Glück belohnt. Bedeutend ist dieser Roman nicht nur durch die einfühlsame Darstellung seelischer Vorgänge, sondern vor allem durch seine aufklärerischen Botschaften: die Kritik an der moralischen Korruption des Hoflebens, die Schilderung des Elends der armen Bevölkerung und besonders durch die Frage nach der Stellung der Frau in der Gesellschaft, nach ihrer Bildung und ihren Aufgaben.

 

Welche schaffen es auf eure Liste?

((Beitragsbild: Lisa Spreckelmeyer, Writing a handwritten letter Vol. 2, Some rights reserved. Quelle: www.piqs.de))

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