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Wie viel Versuchung ist erlaubt? Von verbotenen Früchten und Scheinriesen

Jana Voosen

Schaut ihr auch manchmal dem süßen Typen auf der Straße hinterher, obwohl ihr in einer glücklichen Beziehung seid? Wie es wohl wäre, mit ihm zusammen zu sein? Unsere Autorin Jana Voosen kennt das Problem und hat diesen verführerischen Gedanken zuende gedacht. 

„Schwachheit, dein Name ist Weib.“ Das sagt uns Hamlet. Und die Bibel. Wobei ich ja eine Verfechterin der Theorie bin, dass Eva uns allen mit dem Griff zum Apfel einen großen Gefallen getan hat. Was wir dadurch alles gewonnen haben! Sex zum Beispiel! Und den freien Willen, zu entscheiden, mit wem wir ihn haben möchten.

Schön, wir sind aus dem Paradies geflogen, aber mal ganz ehrlich, wie lange hält man es da aus, bei stets schönem Wetter und ohne die geringste Herausforderung? Däumchendrehen, bis der Arzt kommt. Nein, ich denke, das war schon ganz in Ordnung, dass Eva irgendwann die Sache in die Hand genommen hat.

Zurück bleibt das Vorurteil, dass wir Frauen anfällig für jede Art der Versuchung sind: Schokolade, teure Handtaschen, und ja, auch hübsche Männer. Was ja völlig in Ordnung ist, solange die Hose noch passt, der Kontostand es hergibt, und man, pardon, frau noch Single ist. Aber was, wenn der Traummann gefunden ist? Werden wir dann plötzlich immun gegen alle anderen Y-Chromosom-Träger? Nein, werden wir nicht. Im Gegenteil! Und damit kommen wir zu einem höchst merkwürdigen Phänomen der zwischenmenschlichen Beziehungen: Plötzlich sieht das Gras auf der anderen Seite so viel grüner, saftiger, appetitlicher, ja, einfach zum Anbeißen aus.

Kennt ihr den Scheinriesen aus dem Buch „Jim Knopf“? Der von Weitem so riesig aussieht, und sich bei näherer Betrachtung als durchschnittlich großer Typ entpuppt? Mit den Versuchungen auf der anderen Seite des Zauns, am anderen Ende des Fitness-Studios oder hinter dem Tresen von Starbucks ist das genauso. Von der Anziehung, die der Kerl auf einen ausübt, kann man getrost achtzig Prozent abziehen. Der Reiz liegt im Verbotenen. Und in der Fantasie. Im Realitätscheck hat der Kaffeemann nämlich genauso viele Macken wie jeder andere Typ auch: er lässt seine Müffelsocken rumliegen, zerquetscht die Zahnpastatube oder er denkt, Klitoris ist eine Insel in der Südsee.

Oscar Wilde sagte: „Versuchungen soll man nachgeben.“ Na klar, kann man machen. Aber dann sollte es sich wenigstens lohnen. Meistens tut es das nicht. Ich sage nur Scheinriese, und das ist jetzt kein bisschen anzüglich gemeint.

PS:

Manchmal hilft es, den eigenen Mann durch die Augen der Frau am Nachbartisch zu sehen. Oh Mann, wenn ich nicht in einer festen Beziehung wäre… Ist der schnuckelig… Und seine Frau ist wirklich bildhübsch, intelligent und bezaubernd… Muss ja ein Wahnsinnstyp sein!

Wenn ihr dazu mehr wissen wollt, schaut in Janas Roman Und Eva sprach.

 

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