Kolumne
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Warum wir die bessere Hälfte suchen

Heute am Welttag der Philosophie scheint es mir wichtig, einen Moment innezuhalten. Was kann uns die Philosophie heute noch mitteilen? Haben wir nicht längst die „Liebe zur Weisheit“ verloren? Keine Ahnung, denke ich und frage mich, was das sein soll – „Weisheit“? Das Bestreben, die Welt und die menschliche Existenz zu ergründen, fand ich immer schon sehr abstrakt. Der kategorische Imperativ von Kant ist schon sehr viel praktischer, aber ganz im Ernst. Wann habe ich je nach derjenigen Maxime gehandelt, durch ich zugleich wollen konnte, dass sie allgemeines Gesetz würde? Obwohl … Erst gestern habe ich eine alte Frau auf dem Fahrrad ermahnt, als sie über eine rote Ampel fuhr – war das gemeint?

Im Gedächtnis geblieben ist mir allerdings das mythische Wesen der Antike: der Kugelmensch. Platon beschreibt ihn im Symposion. Demnach waren die Menschen ursprünglich Kugeln mit zwei Köpfen und acht Gliedmaßen. Sie waren stark und mächtig und somit ein Dorn im Auge des Gottes Zeus. Also zerschnitt er diese fast gottgleichen Menschen in zwei Teile. Seitdem – so der Mythos – suchen wir überall und immer nach unserer fehlenden Hälfte. Und das ist doch tatsächlich so, oder? Wir lieben oder versuchen die Liebe zu finden, weil wir nicht allein sein möchten. Redewendungen wie „meine bessere Hälfte“ scheinen hier ihren Ursprung zu haben. Mir leuchtet das Bild des wunschlos glücklichen Kugelmenschen sehr ein. Aber so wie das Streben nach Glück eigentlich nie aufhört, so sind wir Menschen selten wunschlos glücklich. Und wahrscheinlich ist das gut so, denn sonst wäre das Leben ziemlich langweilig. Habe ich jetzt philosophiert? Platon würde sich im Grabe umdrehen, aber das mit dem idealen Partner, mit dem wir durchs Leben kugeln, gefällt mir trotzdem ….

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