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Welches Buch wünschst du dir zu Weihnachten?

Als Lektor wird man oft gefragt, was denn das eigene Lieblingsbuch sei. Oder aber, ob man ein gutes Buch empfehlen könne. Wir wissen da nie recht eine Antwort drauf, da Lesegeschmäcker so verschieden sind. Und uns für ein einziges Lieblingsbuch entscheiden, könnten wir ohnehin nie. Aber es gibt doch ein Buch, das wir immer wieder empfehlen und verschenken – und das bis jetzt jeden, der es gelesen hat, beglückt zurückgelassen hat. Ein Buch, mit dem wir scherzhaft Freundschaften aufs Spiel stellen: Wenn Dir dieses Buch nicht gefällt, können wir keine mehr sein.

Es ist eines dieser Bücher, die einen so fesseln, deren Protagonisten einem so ans Herz wachsen und deren Geschichte einem so lange nachhängt, dass man danach erst mal kein neues Buch anfangen kann – denn das neue wird ohnehin nicht an diese Lektüreerfahrung heranreichen. Und deshalb ist David Benioffs STADT DER DIEBE das Buch, das wir uns zu Weihnachten wünschen und immer wieder verschenken.

Dieses Buch muss ohnehin im Winter gelesen werden. Denn die Handlung spielt in und um das verschneite Leningrad (heutiges St. Petersburg) herum. Doch es ist nicht irgendein russischer Winter: Es ist Januar 1942, Leningrad befindet sich im zweiten Jahr der insgesamt über dreijährigen Belagerung durch die deutsche Wehrmacht. Keiner kommt aus der Stadt heraus, keiner hinein, die Lebensmittelvorräte werden schnell knapp. Weil er während der nächtlichen Ausgangssperre die Leiche eines deutschen Soldaten nach Essbarem durchsucht hat, wird der 17-jährige Lew sofort verhaftet – auf Plündern steht die Todesstrafe. Nach endlosen Stunden in einer kargen Gefängniszelle wird er allerdings nicht aufs Schafott, sondern zusammen mit seinem Mithäftling Kolja vor den Geheimdienstchef der Stadt geführt. Der stellt die beiden vor eine schier unlösbare Aufgabe – im Tausch gegen ihr Leben sollen sie innerhalb von sechs Tagen im ausgehungerten Leningrad zwölf Eier für die Hochzeitstorte seiner Tochter auftreiben. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, der den schüchternen, introvertierten Lew schicksalhaft an Kolja schweißt – einen schlitzohrigen, charmanten Frauenhelden und notorischen Lügner, der ihm ständig schmerzhaft bewusst macht, dass er selbst so gar nicht zum Abenteurer taugt. Als die beiden die Hoffnung, in Leningrad Eier zu finden, aufgeben müssen, fasst Kolja einen aberwitzigen Plan: Er will sich mit Lew zu einer Geflügelfarm jenseits der feindlichen Linien durchschlagen, in ein Dorf südlich von Leningrad. Ein selbstmörderisches Unterfangen, wären da nicht Koljas Kaltschnäuzigkeit, eine unerschrockene Partisanin namens Vika und Lews Schachtalent …

Auch wenn STADT DER DIEBE kein Liebesroman ist, sondern eher ein packende Abenteuergeschichte, so ist sie doch viel mehr:  Eine Liebeserklärung an die Freundschaft (und durch die Augen von Kolja auch eine Liebeserklärung an die Frauen), ein Buch voller Optimismus und Humor und gleichzeitig ein Buch über die Schrecken des Krieges. Ein so gelungenes, besonderes Buch, das wir es auch sicher wieder dieses Weihnachten verschenken werden.

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