Kolumne
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Wer ist eigentlich Murphy?

Es ist wieder so weit, Mittwochabend, bekanntes Szenario: Es ist sau kalt, ich bin tot müde, habe Hunger und hadere mit mir, ob ich trotzdem noch einen kurzen Stopp beim Supermarkt einlegen soll. Schnell habe ich die Lage gepeilt, wenige Kunden, die Schlange an der Kasse recht übersichtlich – passt. Verlassen habe ich den Supermarkt dann nach einer geschlagenen Dreiviertelstunde und das, obwohl ich nur ganze drei (!!) Teile eingekauft habe. Und warum? Na, weil ich, wie immer, an die laaaaangsamste Kassiererin der Welt geraten war. Da steht man da und macht ein Wechselbad der Gefühle durch. Anfangs habe ich noch Mitleid mit der armen Frau, vielleicht arbeitet sie erst seit zwei Tagen an der Kasse und kennt sich noch nicht aus, okay, da will ich mal nicht so sein. Nach weiteren drei Kunden beginne ich dann doch einigermaßen vernehmbar vor mich hinzuschnauben und genervte Augenroll-Blicke mit den Mitwartenden auszutauschen, wieder zwei Kunden später ─ die Schlange hinter mir wird bei dem Schneckentempo nicht kürzer ─ hilft auch kein tiefes Ein- und Ausatmen mehr, wie ich es im Pilates gelernt habe (wichtig hierbei ist es den Beckenboden gen Norden zu drücken und tiefe Atemzüge zu nehmen), und ich muss mich zwingen, nicht laut mit den Füßen aufzustampfen (auch schon vorgekommen), zur Kassiererin zu laufen und die Einkäufe selbst über den Scanner zu ziehen. Und das zackig!

Und jetzt kommt ihr: „Das ist Murphy’s Law!“, tönt es nun von allen Seiten! Ja, hatte ich mir fast gedacht. Aber mal ehrlich, wer ist eigentlich dieser gemeine Murphy? Ich stelle ihn mir als kleines dickes Männchen mit Nickelbrille vor, das zuhause gemütlich auf seinem ramponierten Sofa sitzt, in die Hände klatscht und sich denkt: „Hah, wem kann ich denn heute mal wieder so richtig die Tour vermasseln?“ Und dann geht es los – dann werden Flüge nach Thailand, auf die man ewig hingespart hat, nicht erwischt, weil Murphy das Auto lahmlegt. Da versinken Hochzeiten im Dauerregen, und das, obwohl die Tage davor nur die Sonne schien. Da steht man stundenlang vor dem Spiegel, um für ein erstes Date blendend auszusehen, und kommt dann doch abgehetzt, verschwitzt und mit Wimperntusche-Panda-Augen zum vereinbarten Treffpunkt, denn das Rad, das gestern noch einwandfrei lief, hat plötzlich einen Platten und man musste zum Bus rennen, 3x umsteigen und nebenbei auf seinen viel zu hohen Schuhen die Balance halten. Und alles nur, weil Murphy anscheinend nichts Besseres zu tun hat, als anderer Leute Leben aufzumischen, und sich dabei köstlich zu amüsieren, so scheint es. Und das Schlimme ist, wir können nichts dagegen tun! Wir können versuchen, alles richtig zu machen, pünktlich und vorbereitet zu sein und werden doch immer wieder kläglich scheitern. Da hilft kein Schreien oder Heulen, kein lautes Fußaufstampfen, kein Hadern – spart euch die Energie! Lehnt euch zurück, macht es euch bequem, lasst die Dinge fließen, zwinkert Murphy in Gedanken zu, zeigt ihm, dass ihr für alles gewappnet seid, vielleicht ist das der universelle Trick, vielleicht laufen dann die Dinge wie am Schnürchen.

Ich muss jetzt los, einkaufen, kann sein, dass ich Glück habe und Murphy für einen kurzen Moment unachtsam ist, dann bin ich gleich wieder zurück.

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