Verlag
Schreibe einen Kommentar

Wer will schon nach New York? It‘s Toronto!

Das Leben als Lektorin spielt sich zu neunzig Prozent am Schreibtisch ab und hat mit Jetset nicht viel zu tun. Deshalb ist es wie ein Sechser im Lotto, wenn man eine Einladung nach Toronto erhält, um dort eine Woche lang nette Agenten, Lektoren, Buchhändler und Verleger kennen zu lernen, das Literaturfestival ifoa zu besuchen und die Niagarafälle zu besichtigen.

Fellowship nennt sich diese geniale Einrichtung. Es gibt Fellowships in Frankfurt, Toronto, Jerusalem, Mexico, Sidney und vielen anderen Städten der Welt. Das Rezept ist so überzeugend wie genial: Eine Gruppe von Lektoren, Agenten oder Scouts wird eingeladen, um die Buchbranche des Landes zu erkunden und wertvolle Kontakte zu knüpfen. Natürlich mit dem Ziel, dass vielleicht eines Tages ein Buchdeal daraus entsteht und die Zusammenarbeit insgesamt einfacher wird.

Und so durfte ich also in den Flieger steigen, nach Toronto fliegen, dort unzählige sehr freundliche und charmante Kanadier kennen lernen und viele tolle Gespräche über Bücher, Leser und Verlage führen. Selten bin ich so freundlich und herzlich empfangen worden. Ich durfte hinter die Kulissen der großen kanadischen Verlage blicken, habe die Agentin von Yann Martel kennen gelernt, eine wunderbare Buchhandlung entdeckt und einen Verlag besichtigt, der bis heute seine Bücher noch selbst im Keller druckt – siehe Beweisfoto.

Zwischendurch habe ich den Lake Ontario bestaunt, die berühmten Niagarafälle und die Stadt Toronto selbst, die mir wie New York light vorkam – so spannend wie die Stadt, die niemals schläft, aber alles nur einen Spaziergang entfernt. Perfekt!

Doch das Wichtigste: Ich habe in einer Woche viele neue Freunde gewonnen, nämlich alle meine Fellows, die aus Frankreich, Holland, Schottland, den USA und anderen Ländern angereist kamen und mit mir wie auf einer Klassenfahrt viel Zeit verbrachten. Als wir auseinander gingen, hatten wir richtige Entzugserscheinungen, und bald schon kam die erste Mail aus Frankreich: I miss you all!

Ja, und so sitze ich nun wieder an meinem Schreibtisch und denke sehnsüchtig daran zurück, wie ich am anderen Ende der Welt ein bisschen Jetset ahnen durfte …

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.