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Wir lieben Hörbücher!

Lasst ihr euch auch so gern vorlesen wie wir? Wollt ihr eure Geschichten auch überall dabei haben? Und wolltet ihr schon immer wissen, wie aus einem Buch ein Hörbuch wird? Unsere lieben Kollegen von Random House Audio lassen euch heute hinter die Kulissen blicken und erzählen von ihrem Alltag im Hörbuchlektorat. Auch wenn ihr noch besondere Weihnachtsgeschenke sucht, seid ihr hier richtig, denn Anke, Paul, Katja, Stefanie und Susanne empfehlen ihre ganz persönlichen Hörbuch-Lieblinge.

Liebes Random House Audio-Hörbuchlektorat,

Randomhouse Audio

Auf dem Foto von links nach rechts: Anke, Paul, Katja, Stefanie, Susanne

Wo liegen eure Schwerpunkte bei Random House Audio?

Anke: Die Leitlinie unseres Programms ist vereinfacht gesagt: „Wir wollen unsere Hörer/innen bestmöglich unterhalten.“ Bedeutet: Schwerpunkt unseres Programms bilden die primär unterhaltenden Genres – allen voran Spannung und Belletristik. Diese beiden Bereiche machen etwa zwei Drittel unseres Programms aus. Weitere Programmbereiche sind darüber hinaus: Humor, populäre Sach- und Wissensthemen, literarische Perlen, Live-Projekte und ab und an auch etwas Fantasy und Erotik. Im Rahmen der Belletristik spielt für uns das Thema „Liebe“ eine ganz entscheidende Rolle. Wir haben pro Programm in diesem Segment vier bis fünf hochkarätige Titel – von Klassikern wie Katherine Webb, Kate Morton, Nora Roberts und Nicholas Sparks über neue, moderne Stimmen wie Kate Eberlen, Mary Simses, Emma Sternberg und Anne Sanders bis hin zu literarischen Romanen wie Karine Lambert. Ein weites Feld also, das auch im Hörbuch viele begeisterte weibliche Hörerinnen findet.

Was unterscheidet den Alltag einer Hörbuch-Lektorin von einer Buch-Lektorin?

Katja: Zum einen: die Themenvielfalt. In den Buchlektoraten sind die Themenfelder, die die Kollegen bearbeiten, in den meisten Fällen viel enger abgesteckt. Man macht entweder Belletristik oder Sachbuch und ist dann innerhalb dieser Genre Experte für bestimmte Teilbereiche. Zum Beispiel „Spirituelles“. Oder Reisen. Oder den skandinavischen Buchmarkt. Beim Hörbuch hingegen betreut man zeitgleich Frauenunterhaltung, Literatur, Fantasy, Thriller, Sachbuch oder Humoriges. Morgens Anna Todd, nachmittags Carsten Maschmeyer.

Auch die Zahl der betreuten Projekte ist im Hörbuch-Lektorat wesentlich höher. Was daran liegt, dass wir mit den Texten arbeiten, die von den Buchkollegen in monate-, wenn nicht sogar jahrelanger Zusammenarbeit mit den Autoren entstanden sind. Diese sehr intensive Textarbeit mit all ihren Änderungs- und Korrekturdurchläufen fehlt im Hörbuchlektorat. Nur wenn Texte für ein Hörbuch gekürzt werden oder wenn eine Auswahl erstellt wird oder wenn wir eigene Stoffe entwickeln, tauchen wir tiefer in die Inhalte ein.

Dafür stellen sich uns dann andere Fragen. Zum Beispiel, mit welchem Sprecher man einen Roman oder Thriller besetzt. Oder ob man ihn gekürzt oder ungekürzt einlesen lässt.

Durch unser Medium haben wir auch mit ganz anderen Dienstleitern zu tun: Studios, Regisseuren, Sprechern, Presswerken. Bestimmte technische Fragestellungen stellen sich im Buchlektorat gar nicht, zum Beispiel wie viele Audiostunden auf eine mp3-CD passen. Neben der inhaltlichen Arbeit sind wir vor allem auch Projektmanager.

Abgesehen davon gibt es aber auch viele Gemeinsamkeiten: Vertriebswege, Grafikabläufe, Gespräche mit Agenturen und Autoren, Marketingaktionen usw.

Letztlich gehören wir halt doch zusammen und ergänzen uns auch wunderbar.

Wie wählt ihr die Sprecher und Sprecherinnen aus?

Paul: Ach da gibt es viele Kriterien, die man beachten muss. Zeit, Geld und Berühmtheit sind natürlich nicht unwesentlich für unsere Kalkulationen. Natürlich würde man mit einem bekannten Namen vielleicht auf Anhieb mehr Hörbücher verkaufen, aber nicht jeder Sprecher oder jede Sprecherin passt zu jedem Text. Beim Hören merkt man das sofort. Wir achten vielmehr darauf, aus welcher Sicht der Text geschrieben ist, wie die Charaktere beschaffen sind und welches Tempo der Text hat.

Ich glaube, jeder kennt den Moment, wenn ein Buch einen nicht mehr loslässt, wenn die Geschichte nicht mehr auf den Seiten, sondern im Kopf stattfindet. Dieser Moment, dieses Gefühl hat einen Ton. Den greifen wir auf und suchen die passende Stimme dazu.

Warum werden Hörbücher manchmal gekürzt?

Steffi: Früher wurden Hörbücher oft wegen der hohen Herstellungskosten gekürzt. Seitdem Hörbücher auch auf mp3-CDs veröffentlicht werden können, es also aufgrund eines anderen Dateiformats möglich ist, eine CD mit mehr Hörminuten zu füllen, haben wir mehr Spielraum und es wird bei jedem Hörbuch individuell entschieden, ob eine gekürzte oder ungekürzte Version produziert wird. Für diese Entscheidung werden verschiedene Faktoren berücksichtigt. Da wir einen vertretbaren Verkaufspreis ermöglichen möchten, sind beispielsweise die Produktionskosten immer noch ein ausschlaggebender Punkt bei den Kalkulationen. Außerdem gibt es genrebedingte Ausgabestandards, die auf die Zielgruppe abgestimmt sind und sich in den letzten Jahren erfolgreich etabliert haben.  Zum Beispiel hat sich bei Liebesromanen eine Kürzung auf 5-6 Audio-CDs für einen Verkaufspreis von 14,99€ bewährt. Natürlich achten wir immer darauf, ob der Text eine Kürzung überhaupt zulässt. Unsere Bearbeiterinnen und Bearbeiter arbeiten seit vielen Jahren für uns, haben viel Feingespür für die Dramaturgie der Texte und sorgen dafür, dass der Hörgenuss trotz einer Kürzung nicht beeinflusst wird.

Wo, wann, wie hört ihr am liebsten Hörbücher?

Susanne: Auf dem Sofa, beim Spazierengehen, im Bett, in der Küche, im Liegestuhl.

Paul: Zum Hören muss ich immer irgendwie allein sein, sonst klappt das nicht. Ich mag’s nicht, wenn mir wer beim Hören zuschaut. Manche Texte müssen aufmerksam gehört werden, dann sitze ich in meinem Sessel, ein Ohr ganz nah an der Stereoanlage und lausche … im wahrsten Sinne des Wortes. Aber oft höre ich „nebenbei“. Zum Kochen gerne Krimis zum Beispiel, oder beim Wände Streichen auch gerne mal einen Fantasy-Epos.

Katja: Am liebsten höre ich Hörbücher, wenn ich unterwegs bin: im Auto, im Flugzeug, in der Bahn. Oder beim Kochen. Oder wenn ich krank im Bett liege und nichts anderes mehr geht.

Anke: Am liebsten höre ich abends im Bett vorm Einschlafen, im Urlaub zum Entspannen und ab und an auch beim Joggen.

Steffi: Am liebsten höre ich Hörbücher während einer langen Zugfahrt. Es macht einfach Spaß, einer schönen oder spannenden Geschichte zu lauschen, während die Landschaft an einem vorbeizieht. Dabei tauche ich so richtig in eine andere Welt ab.  Ein ähnlich schöner Moment ist die Zeit vor dem Einschlafen, wenn der Tag am Abklingen ist, man sich entspannt zurücklehnen und einem tollen Hörbuch zuhören kann.

Was ist am Hörerlebnis anders als am Leseerlebnis?

Susanne: Lesen und Zuhören sind zwei ganz verschiedene Arten, einen Text aufzunehmen, die ich gleichermaßen liebe. Lesen ist aktiver als Zuhören. Wenn ich ein Buch lese, nimmt die Geschichte in meinem eigenen Kopf Klang und Farbe an. Das lässt gegenüber dem Hören mehr Freiheit und erfordert auch mehr Konzentration. Beim Lesen bestimme ich selbst das Tempo, kann Pausen machen oder Passagen erneut lesen. Dazu brauche ich eine gewisse Ruhe, denn ich bin selbst Interpretin des Textes, den ich lese. Wenn ich hingegen ein Hörbuch höre, braucht das zwar auch Aufmerksamkeit, um nicht den Faden zu verlieren, doch ich kann nebenher auch noch etwas anderes machen, Aufräumen zum Beispiel oder Spazierengehen. Der Sprecher liefert durch die Art seines Vortrags einen künstlerischen Mehrwert und übernimmt auch bis zu einem gewissen Punkt die Interpretation. Literarische Stilmittel kommen durch das Vorlesen oft erst richtig zur Geltung, eine gute Stimme kann Atmosphäre schaffen und einer Geschichte durch Rhythmus und verschiedene Nuancen viel Lebendigkeit verleihen. Sie geht vom Ohr direkt ins Herz und berührt ganz unmittelbar. Das ist oft ein großer Vorteil: Spannendes kann noch spannender werden, gefühlvolle Erzählungen noch bewegender. Manche Texte allerdings eignen sich nicht für Hörbücher: Sehr schwere oder emotionale Themen beispielsweise können gehört überfordern. Dann fehlt mir die Distanz, die ich als Leser halten kann, indem ich bestimmte Passagen nur überfliege oder überblättere.

Eure aktuellen Hörbuch-Empfehlungen für uns?

Anke: Mein persönliches Hörbuch-Herzensprojekt im Jahr 2016 war Schreiben Sie mir, oder ich sterbe. Liebesbriefe berühmter Frauen und Männer. Dieses Hörbuch versammelt die schönsten Liebesbriefe berühmter Frauen und Männer und erzählt die Geschichte ihrer Liebe – gelesen von unseren besten Hörbuchstimmen. Zum Dahinschmelzen …

Katja: Ulrich Tukur und Sandra Quadflieg lesen Claire & Yvan Goll: Nichts fehlt – außer dir.

Claire und Yvan Goll waren eines der schillerndsten Dichter-Paare des 20. Jahrhunderts, sie konnten nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander leben. Das Hörbuch erweckt eine Amour fou zu neuem Leben, die ihren literarischen Ausdruck in einem Briefwechsel fand, der zum Ergreifendsten gehört, was dieses Genre je hervorgebracht hat. Ganz große Gefühle, ganz großes Kino! Mit Starbesetzung!

Paul: Mit das tollste und bewegendste Hörbuch, das wir zum Thema „Liebe“ im Programm haben, ist für mich ganz klar Antoine Leiris mit Meinen Hass bekommt ihr nicht. Antoine Leiris hat bei den Anschlägen in Paris seine Frau verloren und richtete sich wenige Tage danach mit einem Facebookpost direkt an die Attentäter. Der Text, die Geschichte und vor allem die Lesungen von Christian Baumann gehen tief unter die Haut.

Susanne: Joachim Meyerhoff, Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke!

Dieser Mitschnitt der Live-Lesungen des gefeierten Burg-Theater-Schauspielers und Bestsellerautors ist etwas Besonderes. Joachim Meyerhoff erzählt in seinem mittlerweile dritten Roman mitreißend und mit sprachlicher Finesse von seiner Zeit an der Münchner Schauspielschule, während der er bei seinen Großeltern lebte – zunächst aus Wohnungsnot, dann freiwillig. Bei seiner Ausbildung kommt sich der junge Mann während zahlloser Selbsterfahrungs-Übungen beinahe abhanden, und bei seinen ebenso liebenswerten wie exzentrischen Großeltern fügt er sich in einen nach unverrückbaren Ritualen strukturierten, ziemlich absurden Alltag ein. Ein Gegensatz, der zu den komischsten Situationen führt und den Protagonisten stets aufs Neue an sich zweifeln lässt. Bei Meyerhoff liegt Tieftrauriges und zum Brüllen Komisches immer ganz nah beieinander, das macht den Charme seine Bücher aus. Auf diesem Hörbuch kann man erleben, wie der Autor und Bühnenmensch beim Vortrag zu Hochform aufläuft, getragen von einem begeisterten Publikum, das mit ihm leidet und lacht. Eine tolle Atmosphäre, eine wunderbare Geschichte und eine fulminante Lesung: diese Mischung ist unwiderstehlich!

Steffi: All die verdammt perfekten Tage von Jennifer Niven ist für mich ein Highlight in unserem Programm. Erzählt wird die außergewöhnliche und tragische Liebesgeschichte zweier junger Menschen, von Finch und Violet, die sich auf einem Turm begegnen, als sie beide ihr Leben beenden möchten. Dieser Moment ist der Beginn einer wunderbaren gemeinsamen Zeit und einer Reise, auf der Violet lernt zu leben und zu lieben von Finch, der sterben will. Annina Braunmiller-Jest und Patrick Mölleken fangen die Atmosphäre dieses gleichermaßen zauberhaften wie tragischen Romans auf zutiefst berührende Art und Weise ein, sodass man ihnen gespannt bis zur letzten Minute zuhört.

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