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Freitagstipp: Marie Antoinette von Stefan Zweig

Da ich, wie vermutlich die Meisten, den Geschichtsunterricht in der Schule als wenig inspirierend empfand und noch nicht einmal eine besondere Liebe zu historischen Romanen in mir trage, habe ich um Stefan Zweigs Marie Antoinette-Biografie lange Zeit einen großen Bogen gemacht. Bis ich sie dann in den Weihnachtsferien doch einmal zur Hand nahm und davon so gefesselt war, dass ich sie an dieser Stelle jeder Leserin ans Herz legen möchte: In einzigartiger und niemals langweiliger Weise bringt uns Stefan Zweig das Schicksal einer Frau nahe, die, ohne es sich ausgesucht zu haben, eine Schlüsselrolle in der europäischen Geschichte einnimmt, anfangs mehr schlecht als recht und erst kurz vor ihrem Tod in ihrer wahren Größe erstrahlend. Als kaum 15-jähriges Mädchen mit dem Thronfolger Frankreichs verheiratet, vergehen ihre ersten Jahre am Hof von Versailles wie in einem ungeheuer farbenprächtigen Traum, auf den ungeheuren Luxus ist Marie Antoinette ebenso wenig vorbereitet wie auf das strenge Hofzeremoniell. Ihre Flucht in eine glamouröse Scheinwelt (von Sofia Coppola meisterhaft in ihrem Marie Antoinette-Film inszeniert) kostet den Staatshaushalt Unsummen – und Marie Antoinette am Ende das Leben, da sich die verschwenderische Herrscherin immer mehr von ihrem Volk entfremdet.

Während Sofia Coppola da aufhört, wo es wehtut, folgt Stefan Zweig Marie Antoinette in ihren dunkelsten Stunden, bis in den Kerker hinein und auf dem Weg zur Guillotine. Kurz vor ihrem 38. Geburtstag fällt die Königin Frankreichs der Revolution zum Opfer, gerade als sie die Verantwortung ihrer Position zu begreifen und ihre politische Rolle zu erfüllen beginnt. Besonders berührend: Marie Antoinettes heimliche Liebe zu dem schwedischen Diplomaten von Fersen, der unter größter  Gefahr inmitten der Revolutionswirren nicht davon ablässt, um ihre Freilassung zu kämpfen, und dem noch Marie Antoinettes letzte Gedanken kurz vor ihrem Tode gelten.

Ein kurzes Leben voll Dramatik und eine wahre Geschichte, die Stefan Zweig wie einen Roman erzählt: ein Buch, das einem lange im Gedächtnis bleibt!

Von Patricia

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